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Katalog :: Büroanwendungen

Nicht einfach Textverarbeitung, sondern Satzkunst

MikTeX: TeX, LaTeX & Friends

Die Geschichte des Satzsystems „TeX“ reicht bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück: Der Stanford-Mathematikprofessor Donald E. Knuth entwickelte von Mitte der 1970er bis 1982 das ursprüngliche TeX, und verband damit seine beiden Interessengebiete Informatik und Typographie.

Maskottchen: TeX, der Löwe

Maskottchen: TeX, der Löwe
Da TeX selbst lediglich einen sehr großen Befehlssatz einfacher Kommandos bereitstellt, müsste ein Anwender Expertenkenntnisse sowohl in Programmierung als auch in Typographie und Layout besitzen, um damit sinnvoll zu arbeiten. Diesem Umstand hat sich ein derart multipel begabter Mensch namens Leslie Lamport angenommen, der mit LaTeX ein Makropaket zu TeX geschaffen hat. Damit genügt es dem Anwender, seinen Text mit Auszeichnungen für die logische Gliederung zu versehen (z.B. „Jetzt beginnt ein Absatz“, „jetzt kommt ein Zitat“), LaTeX übernimmt dann die Übersetzung in die TeX-Befehle.

Ein kleines Beispiel mag dies verdeutlichen. Der Quelltext

\LaTeX\ ist besonders gut im Setzen mathematischer Formeln wie $\sqrtx-3y + z = 7$ oder $a_1 > x^2n + y^2n > x’$ oder \[ \ipAB = \sum_i a_i^n b_i. \sum_ \beginarray[pos]spalten \endarray \]

wird in der Ausgabe zu

LaTeX bringt einige Standard-Dokumentenklassen mit, etwa um Artikel, Briefe oder Bücher zu verfassen. Darüberhinaus besteht ein schier unerschöpflicher Fundus von solchen Vorlagen, die in der Anwendergemeinde entstanden und frei verfügbar sind. Es gibt zum Beispiel Pakete für den chemischen Formelsatz, für Präsentationsfolien, für Tests und Klausuren, für Zeitschriften, und viele, viele mehr.

Früher hat TeX ein Dokument immer in eine sogenannte DVI-Datei (für „DeVice Independent Format“) geschrieben, mit dem Nachteil, dass die nur anzeigen konnte, wer ein DVI-Anzeigeprogramm sein eigen nannte. Eine Weiterentwicklung (pdfTeX) ermöglicht heute aber die direkte Ausgabe in eine PDF-Datei.

MikTeX ist eine Implementation von TeX, LaTeX und Kollegen für das Windows-Betriebssystem. Es hat einige gewichtige Vorteile, die seine weite Verbreitung gefördert haben:

-  Leichte Installation: MikTeX hat ein komfortables Installationsprogramm, das sich u.a. um das Nachladen benötigter Programmteile aus dem Internet kümmert.

-  Netzwerkfähigkeit: Richtig konfiguriert, muss das Programm nur einmal auf einem Server installiert werden, um jedem Benutzer zur Verfügung zu stehen.

-  Komplettpaket: Es sind sehr viele Programme, Dokumentklassen und Makropakete aus der TeX-Welt enthalten.


„Entwicklungsumgebung“

Der Textsatz mit LaTeX ähnelt dem Entwickeln von Computerprogrammen: Eingabe des Quelltextes, Compilerlauf zur Übersetzung (hier: Ausgabeseiten), womöglich Fehlersuche, Erweiterungen, wieder Compilerlauf, und so weiter.

Programme, die das Handling dieser Zyklen vereinfachen, gibt es auch für LaTeX-Systeme. Unsere diesbezügliche Empfehlung für die Zusammenarbeit mit MikTeX ist das TeXnicCenter. Es passt sich automatisch in eine (Standard-)MikTeX-Installation ein, und vereinfacht den Entwicklungsprozess durch das automatische Einfügen von Codeschnipseln auf Knopfdruck. TeXnicCenter wird unter der GPL veröffentlicht, die Homepage der Autoren ist

http://www.toolscenter.org


Graphisches Frontend

Noch einfacher zu bedienen, weil mit einer dem Endprodukt sehr nahe kommenden Vorschau ausgestattet, ist das Programm „LyX“, das ebenfalls auf TeX und LaTeX basiert.

Das Programm wird von den Autoren WYSIWYM-Editor genannt („What you see is what you meant“), weil es in der Tradition von LaTeX strikter als andere Textverarbeitungen erzwingt, den Text logisch auszuzeichnen. Lyx vereinfacht die Arbeit mit den von LaTeX bekannten Dokumentbestandteilen erheblich: Aus den Überschriftsangaben wird automatisch ein Navigationsmenü erstellt, Fußnoten können im Text ein- und ausgeklappt werden, Querverweise fungieren als Links, usw.

Lyx wird unter Linux mit der Bibliothek Qt entwickelt. Aufgrund von Lizenzfragen der Qt-Bibliothek für Windows war die Windows-Portierung lange Zeit nur eine „inoffizielle“ Version (der Dank dafür geht an Ruurd Reitsma). Inzwischen pflegt das Projektteam aber eine offizielle native Windows-Portierung. Die Adressen:

http://www.lyx.org (Projekthomepage)

http://www.students.uni-marburg.de/... (Deutschsprachiges Tutorial zur Verwendung von LyX im Studium)






Fakten & Bezugsquellen

Version, auf die sich der Artikel bezieht

2.3

Verfügbare Sprachen

Englisch

Projekthomepage MikTeX

http://www.miktex.org

Weitere Internet-Ressourcen

-  Comprehensive TeX Archive Network (Weltweit gespiegeltes Dateiarchiv mit „allem, was mit TeX zu tun hat“)
-  Dante e.V. (Deutsche TeX-Anwendervereinigung)]
-  Online-Katalog mit Kurzbeschreibungen von ca. 1200 Zusatzpaketen ;-)


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